Mit der Moana Blu auf große Fahrt: Teil 4 Letzte Vorbereitungen

Die Moana Blu liegt inzwischen in Puerto El Calero in Lanzarote.

Gestern haben wir die letzten Anschlüsse für die Meerwasserentsalzungsanlage hergestellt, das Gerät in Betrieb genommen und getestet. Aus Hafenwasser wird genießbares Trinkwasser – frisch und lecker!

Wir sind hier nicht allein. Der Hafen ist ganz überwiegend in fester Hand der Engländer und Größe ist reine Definitionssache. Wir sehen eine Nationalitätenflagge, die fast so groß wie die Moana Blu ist.

Große Segelschiffe sieht man immer immer öfter, aber man muss es den Briten überlassen: in Verbindung mit eleganten Traditionsschiffen sind sie unübertroffen .

Nun fehlt nur noch die Kabelverbindung zwischen Antenne und neuem Kurzwellenempfänger, damit wir auf offener See am Plausch Gleichgesinnter teilhaben können. Übermorgen kommt die Restmannschaft und dann fehlt noch der Großeinkauf zur Ergänzung dessen, was schon geladen ist. Dann kann es am Sonntag wirklich heißen: Leinen los – next Stop Grenada.

Mit der Moana Blu auf große Fahrt: Teil 3 Barfußroute – warum eigentlich?

Beim Thema Barfußroute teilt sich die Seglergemeinde schnell in zwei Lager: wenn ich erzähle, dass ich Ende 2019 den Atlantik auf der 12 m langen Moana Blu von Lanzarote nach Grenada überqueren werde, erhalte ich meist zwei sehr unterschiedliche Reaktionen: von der überwiegenden Zahl der Freunde und Bekannten erhalte ich ein ‚Whou- das willst du machen?!‘. Es gibt aber auch einige, die mit ‚total langweilig‘ oder ich kenn einen, der hat das gemacht und würde es nie wieder machen antworten. Interessanterweise hat mich bis heute aber noch niemand gefragt, warum ich das eigentlich machen will. Und ich ertappe mich dabei, dass ich mich selbst das bisher auch noch nicht richtig gefragt habe. Also mach ich hier mal den Versuch, der Sache auf den Grund zu gehen.

Spontan fallen mir fünf Antworten ein, Andere mögen noch weitere haben : (a) Freunde haben mich gefragt, ob ich dabei sein will; (b) Einmal im Leben über den Atlantik schippern; (c) Die Herausforderung annehmen und meistern; (d) Im ‚eigenen‘ Boot die Karibik erkunden; (e) Für drei bis vier Wochen alles hinter mir lassen und auf der Weite des Atlantik sich selbst finden.

In meinem Fall war der Auslöser tatsächlich (a): Ein Freund, mit dem ich seit 5 Jahren im Sommer immer 2-3 Wochen auf der Ostsee segele, will vom Heimathafen Travemünde bis nach Neuseeland segeln und hat mich gefragt, ob ich bei einigen Abschnitten dabei sein will. Ohne viel zu überlegen habe ich spontan Interesse gezeigt. Das bedeutet aber doch nicht gleich, dass ich mir das schon immer gewünscht hätte, dass das mit meiner Familie vereinbar sein würde, dass ich das auch wirklich will und dass das auch geht.

Ja, die Vorstellung, einmal im Leben über den Atlantik in einem kleinen Boot gesegelt zu sein (b), hoffentlich Delfine und andere größere Fische zu sehen, fangfrischen Fisch zu essen und großartige Sonnenauf- und -untergänge zu sehen, vor allem auch den Sternenhimmel glänzend vor tiefdunkler Kulisse frei vom lichtdurchfluteten Europa zu erleben (zuletzt hatte ich dieses großartige Erlebnis vor fast zwanzig Jahren in der Atacamawüste im Norden Chiles), diese Vorstellung finde ich toll.

Zugegeben, die Herausforderung (c) reizt mich auch. Ich will mir hier wohl doch etwas beweisen und auch zu den Seglern gehören, die das einmal bewältigt haben. Das rund um die Uhr, den Wachwechsel, die langen Nächte, wechselnde Windverhältnisse und, die langen Wellenberge und die unendliche Weite zu meistern. Je mehr Erlebnisberichte und Videofilme von Anderen ich zu dem Thema ansehe, beschleichen mich aber doch auch manchmal Zweifel und Fragen, wie mit den langen Tagen und Nächten umgehen. Wird mir manchmal, vielleicht sogar öfters schlecht sein und was, wenn jemand krank wird, das Schiff einen Schaden nimmt. Wie sehr werde ich meine Familie vermissen (wir sind bisher kaum mehr als eine Woche getrennt gewesen) Werden wir in der Lage sein, etwas Leckeres und Gesundes zuzubereiten, oder kommt angesichts der Wetterbedingungen alles vorgefertigt aus der Packung und Dose auf den Tisch. Werde ich schon bald dem Ankommen und Wiedersehen mit der Familie und dem Ende der dauernden Schaukelei entgegenfiebern.   

Würde ich das auch (d) im eigenen Boot, einer Waarship 570  machen wollen? Ganz sicher nicht, obwohl ja schon im Jahr 1977 der deutscheWolfgang Quix bei der ersten ‚Poor Man’s Rally‘ (Mini-Transat) genau das erfolgreich gemacht hat. Nein, meine Blue X ist zwar prima in Schuss und sehr gut ausgestattet, aber weder Einhand noch auf 570 cm würde ich das heute wagen wollen. Warum dann auf der Moana Blu, die mit 38 Fuß doch  nur etwas mehr als zweimal so groß ist? Es muss wohl daran liegen, dass ich auf mehreren Ostseetörns in verschiedenen Wettersituationen Vertrauen in das Boot und den Skipper aufgebaut habe (dazu habe ich ja weiter unten berichtet).  

Nein, einmal alles hinter mir lassen (e) kann ich nicht attraktiv finden. Die Familie und Freunde werden mir ganz sicher fehlen. Aber ich gehe ja auch nicht alleine. Das Eignerpaar und die 8-jährige Tochter werden auf dem Schiff sein, sodass ein Gefühl von Alleinsein ohnehin kaum aufkommen wird.

Soweit zu Vorschau und Überlegungen zu den Gründen, sich auf die Reise zu begeben. Darüber wie es sich dann in der Praxis angefühlt hat, werde ich aus der Karibik berichten.

      

Mit der Moana Blu auf große Fahrt Teil 2: von Willemstad nach London

Nach einer Woche pausieren reise ich mit Matthias, einem Segelfreund aus dem Frankfurter Yacht Club per ICE, Regionalbahn und – weil am Sonntag der im Fahrplan angezeigte Bus ausfällt – mit einem UBER Taxi nach Willemstadt bei Hollands Diep an. Wir schiffen uns um 17 Uhr ein und beziehen unsere Kojen. Ich beziehe die schmale mir aber inzwischen  lieb gewonnene Koje im Salon und Mathias bekommt die Heckkabine.

Am nächsten Tag legen wir um 9.30 ab und warten nach kurzer Fahrt im Noorder Vorhaven auf das Signal des Schleusen- und Brückenwärters, dass wir in die Schleuse einfahren dürfen. Wir verlassen den Krammer und können später am Vormittag  Segel setzen. Die Sonne strahlt unerbittlich. Wir machen in der Oosterschelde kurz halt und springen ins kühle Nass – Zisch!! Nach dieser wunderbaren Erfrischung und Passieren der Zanderkreeksluis erreichen wir das Veerse Meer, einen breiten Kanal. Vor dem Städtchen Veere biegen wir nach Süden in einen schmalen Kanal ab, finden uns aber vor einer geschlossenen Klappbrücke wieder. Der Schleusenwärter hat wohl schon Feierabend gemacht und so zwängen wir uns in dem kleinen pittoresken Stadthafen von Veere in eine schmale Box. Der Zwangshalt erweist sich als schöne Unterbrechung  mit attraktiven Restaurants.

Pünktlich zur Schleusenöffnung legen wir am nächsten Morgen in Veere ab und schließen uns einem Konvoi mit Namen ‚Blauwe Golf‘ an, mit dem wir gemeinsam alle verbleibenden Klapp- und Drehbrücken passieren. Vorbei an Middleburg, dessen Häuser und Gärten direkt an den Kanal reichen erreichen wir das Ende der Stande Mastroute bei Vlissingen. Hier steht die letzte Schleuse, die uns vom offenen Meer trennt: endlich wieder in der Nordsee und kein Warten vor Brücken und Schleusen mehr. Dennoch ist das Befahren der Stande Mastroute ein einmaliges manchmal auch aufregendes aber immer schönes Erlebnis, dass jeder Segler einmal machen sollte.

Gegen Mittag kurzer Badestop in der Nordsee. Kurz danach passieren wir mit gutem Wind unter Segel Seebrügge. Konzentrierter Ausguck nach vorne und bei rauschende Fahrt bemerken wir erst im letzten Moment, dass sich ein Schlauchboot mit belgischen Zollbeamten von Achtern genähert hat. Sie bitten freundlich um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen und zwei der drei Beamten klettern an Bord.

Jetzt werden alle Papiere verlangt, die Gültigkeit der Notsignale überprüft und sogar nach den Feuerlöschmitteln gefragt. Mir kommt es eher wie eine Übung, denn eine strenge Kontrolle vor, denn der prüfende jüngere Beamte fragt immer wieder bei seiner Kollegin nach, ob noch etwas zu prüfen sei. Alles ok und die drei verabschieden sich freundlich und rauschen davon.

Um 17 Uhr erreichen wir Oostende und machen im Royal North See Yachtclub fest.  Am folgenden Tag geht es mit Rauschefahrt (7-8 Kn) weiter entlang der belgischen und französichen Küste. Newport bleibt backbords liegen und schon gegen Mittag erreichen wir bei sehr kräftigem Wind den ‚Yachtclub de la Mer du Nord‘ in Dunkerque. Stadtgang mit Museumsbesuch und leckeres französisches Abendessen. Der Wind frischt weiter auf und so fühlen wir uns für die Nacht hier im Hafen sehr gut aufgehoben.

Am Morgen bläst der Wind weiter. Vor allem hält uns hoher Wellengang von der  Kanalüberquerung ab. Wir legen einen Hafentag mit weiteren Stadterkundungen von Dunkerque ein. In der Stadt sind überall Schilder mit Informationen zum 2. Weltkrieg aufgestellt und so erfahren wir eine Menge interessanter Details über die Rolle der Stadt beim Rückzug der Allierten – vor allem der Engländer – vor den Deutschen über den Kanal. Berühmt geworden ist hier vor allem auch die Rolle vieler englischer Fischer und Sportbootbesitzer, die angesichts des großen Verlusts der großen Transportschiffe zu Hunderten im Nebel über den Kanal kamen, um Soldaten aufzunehmen und zurück zu verschiffen.

Wir haben das Wetter und Strömungen im Kanal weiter beobachten und ein Wetterfenster ausgemacht, müssen aber dazu am nächsten Tag schon um 4.30 ablegen. Um 5 Uhr setzen wir bei E 5-6 Wind die Segel mit Kurs 310 auf England.

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Es geht flott voran, um 7 fahren wir in das Verkehrstrennungsgebiet ein und sind nach einer Stunde auch schon durch – Aufatmen. In Vorbereitung und Vorstellung wesentlich aufregender, als in der Praxis, aber wir haben wohl auch sehr gute Wetterbedingungen erwischt. Um 8.55 haben wir Land in Sicht, passieren eine knappe Stunde später die Tonne Margarethe E an Backbord und drehen um 11 in die Themsemündung ein. Die Uhren müssen jetzt auf britisch Summertime 1 Stunde zurück gestellt werden. Etwas später passieren wir die eigenartig anmutenden Verteidigungslinie der Engländer gegen die deutschen U-Boote.

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Die Themsemündung zieht sich endlos hin sodass wir nach 100,8 Sm erst um 19 Uhr zur Kippzeit der schiebenden Strömung den Greenich Yacht Club erreichen. Ausser einem freundlichen Engländer ist hier niemand weit und breit aber wir haben per Telefon beim Hafenmeister, der irgendwo in Südeuropa Urlaub macht, die Erlaubnis erhalten, am Schwimmsteg festzumachen. Von dem freundlichen Engländer erhalten wir eine Karte überreicht, die uns den Zugang zu den Sanitäreinrichtungen des Clubs erlaubt.

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Am nächsten Tag geht es die sich windende und immer enger werdende Themse hinauf. Wir  passieren gegen 10 die berühmte Seeschleuse, die im Notfall London vor Hochwasser schützen soll

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und erreichen am späten Vormittag die kleine Schleuse, die uns nach kurzer Wartezeit Einlass in die großartige „St.Katharina Marina“ in den früheren Verladedocks nur wenige Schritte von London Tower und Towerbridge gewährt.

Ich bleibe noch einige Tage an Bord, um den grandiosen Standort für Stadterkundungen zu nutzen.

 

 

Eine Fahrt mit der berühmten Buslinie 15 beschließt den Londonbesuch und ich fliege nach Frankfurt zurück, wo es auch wunderbare Sonnenauf- und -untergänge zu bewundern gibt und wo die Streuobstwiese am Lohrberg auf Pflege und Muße wartet. 

 

Ende

(Teil 3: Lanzarote – Grenada/Karibik folgt im Januar 2020)

 

 

 

Mit der Moana auf große Reise: von Travemünde nach Neuseeland (Teil 1: Rendsburg – Amsterdam)

In 2019 beginnt eine große Reise, die für die Moana Blu von Travemünde bis nach Neuseeland reichen soll, für mich in Etappen von Rendsburg durch den Nord-Ostsee-Kanal, Helgoland, die holländische Stande Mastroute, Oostende, Dunquerke in die St. Katharina Marina direkt unterhalb der Themse Bridge in London. Später im Jahr gehe ich dann wieder auf das 12m Boot für die Transatlantikroute von Lanzarote nach Grenada in die Karibik. Und wenn alles nach Plan verläuft soll es für mich dann nochmal von Panama nach Galapagos gehen.

Aber zunächst muss das Boot durch Nord-Ostsee-Kanal in die Nordsee und über den Kanal nach London gebracht werden. In Rendsburg kurz hinter der Seeschleuse zur Ostsee gehe ich an Bord. Ohne Probleme motoren wir bis zur großen Seeschleuse in Brunsbüttel, wo wir im Sportboothafen festmachen, um am nächsten Morgen auf die Unterelbe nach Cuxhafen und Helgoland hinaus zu segeln. Die Nähe der großen Seefrachtschiffe kann Angst machen, für uns geht es aber völlig entspannt und es müssen keine großen Ausweichmanöver gefahren werden.

 

In der Unterelbe beginnt für uns eine neue Zeitrechnung und eine neuer Segelplan mit den Gezeiten und starken Strömungen in Unterelbe und Nordsee. Am frühen Nachmittag passt alles und wir gehen durch die kleine Seeschleuse auf die Unterelbe hinaus und nehmen mit ablaufendem Wasser mächtig Fahrt auf. Die erste Station ist der Yachthafen Cuxhaven, wo wir einen Vorgeschmack auf Hafeneinfahrt bei Strom und Anlegemanöver bei heftigem Nordseewind bekommen.

Am nächsten Tag nehmen wir Kurs auf Helgoland und verlassen wir am späten Vormittag den Elbtrichter auf die offene Nordsee. Im Verlauf des Tages begegnen wir den für die Region typischen Krabbenfischern und freuen uns schon mal auf Brötchen in Helgoland. DSC_1260

Mit Rauschefahrt erreichen wir die Insel schon gegen Mittag und machen dort im Wirtschaftshafen neben Einsatzschiffen der Marine fest.  Schlechtes Wetter zwingt uns zu einem etwas längeren Aufenthalt mit allerdings schönen Spaziergängen über die Insel. Im Wirtschaftshafen liegen auch die großen Seenotkreuzer und es ist doch beruhigend zu wissen, dass im Notfall schnelle Hilfe da sein wird.

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Die ständige Suche nach geeigneten Wetterfenstern, der richtigen Ablegezeit und geplanten Ankunft im nächsten Hafen, immer unter Berücksichtigung von Tide und Strom bestimmt jetzt unseren Segelplan. Der starke Wind soll sich am nächsten Abend für 12 Stunden legen und so entschließen wir uns zu einer Nachtfahrt zum nächsten Ziel Delfzyil am Eingang der Emsmündung und zur höllandischen Stande Mastroute. Wir legen gegen 20 Uhr ab und nehmen für die ersten Stunden noch ordentlich Welle des abklingenden Windes mit. In der Nacht glitzert auf den Wellenkämmen das Meeresrauschen in allen Blauschattierungen. Nach einigen Stunden beruhigt sich die Nordsee. Wir müssen aber erstmal einige Stunden motoren. Das Großfall hat sich am obersten Tritt des Mast‘ verhakt, sodass wir das Segel nicht aufziehen können. Mit Sonnenaufgang kommt Wind auf. Wir haben inzwischen das Fall entwirrt und segeln auf gutem Halbwindkurs problemlos durch das viel befahrene Gewirr der sich kreuzenden Verkehrstrennungsgebiete. Heute Nacht ist glücklicherweise nicht so viel los. An der Einfahrt in die Mündung von Delfzyil nimmt der Wind wieder ordentlich Fahrt auf und so müssen mit zwei Reffs im Emstrichter aufkreuzen. Wir sind froh, als wir nach 89 Seemeilen gegen Mittag im Hafen festmachen.

Am nächsten Morgen passieren wir die Seeschleuse am Eingang der zur Mastroute und lassen bis Mittag 12 Dreh und Hubbrücken hinter uns. In Groningen begleitet der Brückenwärter uns persönlich von Brücke zu Brücke auf seinem Rad. Immer mal wieder kommt dann auch noch eine Schleuse dazu. Im engen Kanal wird das Warten auf die Brückenöffnung wegen der vielen anderen Boote immer mal wieder etwas aufregend.

 

Am Abend machen wir im Sportboothafen Hunzegat fest. Ein Crewmitglied geht von Bord und wird erst wieder in London zusteigen. Der nächste Morgen beginnt mit mehr Wind, wir können im Kanal zeitweise sogar segeln. Bei Starkwind geht es dann in die Schleuse bei Zoutkamp. Wir warten im flachen Wasser vor der Schleuse und haben einmal kurz Grundberührung, kommen aber gleich wieder los. Im Schleusenkanal nimmt der Wind schlagartig zu und wir bekommen die Moana Blu nur durch einen Dreher zum Stehen. Wechselnde Anweisungen des Schleusenwärters, vor uns mit den schwierigen Windverhältnissen kämpfende Yachten und ein für die wichtige Heckleine verfehlter Poller tragen zu einigen Schreckmomenten bei. Die Fahnenstange am Heck muß geopfert werden und es gibt ein paar Schrammen, aber alles geht am Ende gut.

 

Im Lauwersmeer können wir nicht wie geplant in Oostmanshorn festmachen, sondern biegen gleich wieder nach Süden in den Kanal nach Dokkum ab, das wir gegen Mittag passieren. Der Brückenwärter macht Mittagspause und so haben wir hier mit zwei anderen Yachten einen Zwangsstop mit beschaulichem Ausblick ins holländische Flachland.

Gegen Abend erreichen wir dann Leuwarden vor geschlossener Brücke und machen mitten in der Stadt am Kanalrand fest. Es sind nur ein paar Schritte bis zu einem sehr leckeren Asiarestaurant.

Die Stadtbrücke macht erst um 9 Uhr auf und so verlassen wir Leuwarden entspannt und gut gefrühstückt. Wir schließen uns einem Konvoi an und vermeiden so lange Wartezeiten vor der gigantischen Autobahnbrücke und vier weiteren kleineren  Klappbrücken. Am Ortsausgang verlassen wir den Konvoi und nehmen Kurs auf den abzweigenden Kanal nach Lemmer.

 Während wir auf die Öffnung einer Eisenbahnbrücke warten schüttet es aus allen Rohren. Crewmitglied Manfred, der als gelernter Bootsbauer und Allrounderhandwerker beim Bauzeit der Moana Blu wesentlich mitgearbeitet hat, wettert das mit festem Griff an der Pinne ab.

 

Um 16.30 erreichen wir bei Lemmer die Seeschleuse zum Ijsselmeer und machen eine Stunde später zwischen Hunderten von Sportbooten im Yachthafen de Boei fest. Am nächsten Morgen legen wir früh ab, müssen aber erstmal mehrere Stunden motoren.Wir sind alleine auf dem weiten Ijsselmeer und fahren einen westlichen Kurs entlang der großen Windmühlenparks.

 

Um 11.15 erreichen wir die Schleuse bei Enkhuizen. Wir wollen ja noch nicht auf die offene Nordsee, sondern weiter im holländischen Inland und an der Küste Belgiens und Frankreichs entlang, bevor wir über den Kanal in die Themse gehen. Inzwischen ist kräftiger Wind aufgekommen und ausgerechnet in der Schleuse blockiert eine Plastikplane die Schraube, sodass der Motor blockiert. Wir liegen in der Schleuse quer. Mit Glück kann Alfred den Motor nach mehreren Versuchen wieder starten. Wir atmen auf und passieren jetzt die Schleuse ins den Markermeer Lake ohne weitere Probleme. Mit Süd-West-Kurs steuern wir unser Tagesziel Amsterdam an. Der Wind frischt weiter auf 5 NW auf. Gegen Mittag kommen Gewitterböen dazu, sodass wir kaum mehr Sicht haben. Wir erahnen die Einfahrt nach Amsterdam, wollen aber das Wegziehen der Gewitterfront für die Einfahrt in die Stadt abwarten. Um 16 Uhr passieren wir das Tor zur Stadt, die die Oranjeschleuse und machen eine Stunde später in der Amsterdam Marina fest. Hier mache ich zusammen mit Manfred den Platz für ein paar Tage für Freunde des Eigners frei und wir gehen von Bord.

 

Sieben Tage später gehe ich mit einem Segelkamerad aus dem Frankfurter Yacht Club (FYC) südlich von Rotterdam bei Willemstad wieder an Bord der Moana Blu für die Weiterfahrt entlang der Küste und über den Ärmelkanal nach London. Siehe dazu Teil 2.

 

 

 

 

 

 

Mit dem BunBo in Brandenburg

Ostern 2019 ist es so warm, sodass wir die Tage mit einem Hausboot auf den südlich von Berlin gelegenen Seen verbringen. Das Wasser ist noch kalt, aber für einen kurzen Sprung hinein ist das kein Hindernis. Leckere Fischbratereien laden zum Fischbrötchen ein. Reier, Enten und Gänse, Blesshühner in großen Familien tauchen immer wieder aus dem Uferschilf auf und sogar ein Seeadler zieht seine Kreise über uns. Absolut empfehlenswertes Vergnügen für eine sonnige Woche.

Hart am Wind in die dänische Südsee

Wie schon in den Jahren zuvor begleite ich den Eigner der Moana Blue – ein 12 m Van de Stadt Segler, der in 8 Jahren Bauzeit in Frankfurt in Eigenregie des Skippers entstanden war – für ein paar Tage auf die Ostsee.

89F502DE-AD94-4DFA-80FE-8CECD657C06D (1).jpg  IMG_2148Schon 2014 war ich auf dem Boot auf seiner Jungerfernfahrt von Fehmarn bis in den Kalmar Sund hinauf mitgesegelt. In 2015 dann erneute von Travemünde bis in die Schären vor Stockholm, 2016 von der polnischen Grenze zurück ins Winterlager nach Travemünde und 2017 wieder von Travemünde an der schwedischen Westküste hinauf nach Göteborg. Das haben wir allerdings erst erreicht, nachdem wir 3 Tage in Varberg wegen Starkwind festlagen. Dabei waren wir nicht allein: auch ein englischer Grosssegler musste auf milderes Wetter warten.DSC_7742

Diesmal soll es von Lauterbach auf Rügen über Stralsund und den kleinen Hafen Vitte auf Hiddensee in die dänische Südsee gehen und von dort in die Schlei, wo dann andere Freunde des Eigners übernehmen.  Wie in den Vorjahren, wurden es wieder wunderbare, ja vielleicht sogar die schönsten Segeltage, denn auf den Motor mussten wir diesmal fast nur in den Häfen zurückgreifen.

Im schönen Yachthafen Im Jaich in Lauterbach gehen wir aufs Schiff und bereiten alles für die kommenden Tage vor. Nachdem Lebensmittel eingeholt und gebunkert sind, gönnen wir uns eine leckere Dorade im Werftrestaurant am Hafen. Am nächsten Tag machen wir gegen 9 Uhr los durch den Greifswalder Bodden zur ersten Station im Stadthafen von Stralsund mit einem Besuch auf dem sehenswerten Segelschufschiff Gorch Fock II. Nach einer bewegten Geschichte –  u.A. in der Ukraine -, hat sie nun wieder in Stralsund festgemacht. Mit hohem Engagement bemüht sich eine private Gruppe zusammen mit der Stadt darum, sie wieder segelklar zu machen.

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IMG_1878  IMG_1879Bevor wir den Stadthafen erreichen müssen wir aber noch durch die Klappbrücke, wo schon viele andere Boote auf die Öffnung warten. Wie bei einer Regatta versuchen wir uns in eine günstige Startposition zu bringen. Irgendwann gibt der Brückenwart grün und nun beginnt der Run auf die besten Plätze im Hafen.

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Am nächsten Tag segeln wir im geschützten Innenwasser von Hiddensee hinauf nach Vitte. Die gebaggerte gut betonnte Fahrrinne ist schmal und uns kommt eine „Armada“ heimkehrender Boote entgegen – der Sommer geht für viele jetzt schon zu Ende. Wenn dann noch die Fähre aus Schaprode, kommt wird es sehr eng, denn das Flachwasser zu beiden Seiten erlaubt keine großen Ausweichmanöver.  In Vitte sind es vom Yachthafen nur ein paar Schritte über Land auf die offene Westseite zur Ostsee hin. Das ungewöhnlich warme Wasser lädt zu einem Bad ein. Am Abend liegt dann noch im Restaurant Godewind ein gebratener Dorsch auf dem Teller – köstlich!

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Der nächste Tag beginnt früh, denn wir wollen heute über die offene Ostsee nach Dänemark segeln.  Mit eingebundenem ersten Reff hart am kräftigen Wind ( bis 15 Kn) und viel auf der Kreuz laufen wir bei 0,5 m Welle von Rügen an die dänische Süd-Ost Spitze. Nach 10 Stunden und 54 Seemeilen machen wir in Harbølle fest. Der Anleger klappt prima und wir werden von freundlichen Dänen mit einem Gin Tonic empfangen – auf der Hafenmole findet gerade eine Verkostung eines aus Kräutern der Insel destillierten Gin statt.

Nicht ganz so früh aber wieder mit gutem Wind aus Süd-West geht es am Tag darauf weiter unter der imponierenden Hängebrücke der Vogelfluglinie und gleich danach folgenden Bogenbrücke der internationalen Eisenbahnverbindung weiter. Wir wissen, dass die Masthöhe kein Problem für die Brückendurchfahrt bedeutet, es ist aber doch immer wieder ein kurzer Spannungsmoment, wenn es dann wirklich drunter durch geht.

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Später kommt wieder mehr Wind auf und mit 15-20% auf der „Backe“ liegend kommen wir zunächst bis auf 5 Sm an unser Tagesziel, die Insel Varø heran. Dann lässt der Wind etwas nach und wir nähern und nur kreuzend. Auf der Logge stehen 43 Sm als wir gegen 18.30 in den kleinen Hafen einlaufen. Wir können uns einen Platz aussuchen, denn es sind nur noch einige deutsche Boote da. Im gemütlichen, aber teuren Restaurant beschließen wir den Tag mit einem Essen, das ein bisschen an Nouvelle Cuisine erinnert: geräucherter Fasan mit Kräutern und Schäumchen, gefolgt von Lamm und Gemüse – alles aus eigener Produktion von der Insel. Auf dem Teller und für wettergeprüfte hungrige Mägen sieht das zunächst sehr „übersichtlich aus“. Wir sinken gleichwohl satt, allerdings um etliche Euro ärmer, in die Kojen. Für den nächsten Tag ist schlechtes Wetter mit Starkwind angesagt und so beschließen wir einen Ruhe- und Lesetag, der nur durch eine Fahrradtour um die Insel mit Halt bei den prächtigen Brombeersträuchern und der Fasanerie unterbrochen ist. Einen Höhepunkt gibt es gleichwohl gegen Abend, als der 1939 von Harold S.Vanderbilt beauftragte und Olin J. Stephen gebaute Großsegler aus der Serie der 12 Metre Class, die unter amerikanischer Flagge segelnde VIM US-15, einläuft.

DSC_0212Der Anleger gelingt der stramm geführten und von uns unterstützten achtköpfigen Crew erst im zweiten Anlauf, da im 3 Meter tiefen Hafenbecken rechnerisch nur 20 cm Wasser unter dem Kiel bleiben, sodass alle etwas den Atem anhalten. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen können: der VIM werden wir auf unserem Törn noch mehrfach und auch unter ganz anderen Umständen begegnen.

Varø ist eine private Insel mit ausgezeichneter Infrastruktur im leider auch teuren Hafen. Da die Betreiber alle weiteren Dienstleistungen, so und auch Grillholz an sauberen Grillplätzen sowie Fahrräder zur Erkundung der kleinen Insel ohne weitere Kosten bereitstellen, lohnt sich der Anleger hier doch. Der Hafen fasst 86 Boote und die Liegeplätze sind in der Ferienzeit immer sehr gefragt, so heißt es.

Die nächste Etappe führt uns bei kräftigem Gegenwind kreuzend an der Ostküste von Langeland hinauf. Als wir das Fahrwasser kreuzen und um die Spitze der Insel gehen, zieht hinter uns die VIM US-15 auf. Wir drehen nach Lohals ab und machen dort nach 27 Sm fest. Wegen der auch im Führer verzeichneten netten Atmosphäre drängen sich alle Neuankommenden in  den engen Fischerhafen, obwohl es direkt angrenzend einen gut ausgebauten Yachthafen gibt. Nach uns machen auch mehrere Traditionssegler hier fest, finden aber auch noch Platz an der Mole der ohnehin schon engen Einfahrt zum Fischereihafen.

Am frühen Morgen sortieren sich die teils im Päckchen vertäuten Boote erstmal für die enge Ausfahrt. Die in der Hafeneinfahrt liegende Ketsch ist auch schon früh los, sodass es  schon nicht mehr ganz so eng zu geht. Wir gehen als eines der letzten Boote um 10 Uhr raus und kreuzen bei kräftigem Wind aus Süd hinunter nach Trønse. Nach dreieinhalb Stunden sind die 18 Seemeilen geschafft und wir machen im Hafen von Trønse fest.

In diesem netten kleinen Hafen kassiert noch der akkurat in Weiß gekleidete ältere Hafenmeister selbst am Boot. Offenbar ist dieser Ort auch bei den Eignern klassischer Segelboote sehr beliebt, denn im Laufe des Nachmittags machen noch mehrere sehr schön erhaltene Boote hier fest. Hoch über dem Hafen und mit gutem Blick aufs Wasser können die gut erhaltenen Kapitänshäuser bewundert werden. In zweiter Linie ebenso gut erhaltene und gepflegte mit Reet gedeckte Fachwerkshäuser. Man kann von Trønse aus schon fast die Stadt Svendborg erahnen und so scheint der Ort auch für viele Pendler ein ruhiger schöner Wohnort für gut Betuchte zu sein (was aus den vielen dicken SUVs in den Strassen geschlossen werden kann). Eine halbstündige Wanderung führt uns auch noch zum Valdemar Schloss, das 1639-1644 vom dänischen König Christian IV für seinen Sohn Valdemar Christian erbaut wurde. Im Einfahrtsstrom nach Svendborg war es strategisch positioniert, um von vorbeifahrenden Händlern den Wegezoll zu kassieren. Für eine Wanderung auf die die nahe gelegene Höhe und die in Reiseführern beschriebene grandiose Aussicht vom Kirchturm über die dänische Insellandschaft, fehlt uns leider die Zeit – der Magen knurrt und wir haben in einem von Privatpersonen betriebenen kleinen aber gut sortierten Laden Grillgut erworben, das aufs Feuer muss.  Und da ist sie auch schon wieder: am Nachmittag zieht die VIM US 15 vorbei mit Kurs auf Svendborg und Schlei. Warum sie Kurs auf die Schlei nimmt, wird uns aber erst später Tag klar.

Der nächste Tag bringt zunächst einen frühen Festmacher im Stadthafen von Svendborg mit Stadtbummel und – endlich – köstlichen Cappuccino aus einer italienischen Expressomaschine. Wieder sehen wir hier viele Traditionsschiffe einlaufen oder am Kai vertäut.

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Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter nach AEroskøping. Die Stadt hat einen  Handelshafen mit Traditionswerft und Anleger für die im Stundentakt fahrende Fähre von Svendborg und den sehr gut organisierten Yachthafen. Der Handelshafen ist für eine Regattaankunft für den übernächsten Tag reserviert und so machen wir im Yachthafen fest. Der Windfinder sagt eine Gewitterfront mit Starkwind bis 30 kn für den nächsten Tag voraus und so legen wir einen zweiten Lese- und Ruhetag ein. AEroskøping ist auch als dänische „Puppenstadt“ bekannt. Die Häuser sind so niedrig, dass man die Dachrinnen leicht mit ausgestrecktem Arm erreicht.  Wir machen einen Rundgang durch den Ort, der in der ‚Fischrogerie‘ mit lecker geräuchertem Lachs mit Kartoffelsalat endet. Am Nachmittag erwischt uns das angesagte Gewitter bei einer kleinen Wanderung zum Weststrand. Wir können uns unter das Vordach eines der winzigen Strandhäuschen retten und werden später belohnt durch einen kompletten Regenbogen, der allerdings die Brennweite unsere Kameraobjektive etwas überfordert.

 

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Am nächsten Tag gehen wir erst am späten Vormittag raus. Wir hoffen, die ersten Boote der Peter Gast Schifffahrtsregatta Schlei-AEroskøping an der Spitze der Insel AErø zu treffen. Auf dem Plotter verfolgen wir, wie eine Armada von bis zu 150 gemeldeten Booten aus der Schleimündung heraus kommt und Kurs auf Skjoldnaes nimmt. Unser Kalkül geht auf, denn tatsächlich sind die schnellsten 20 m Schiffe gerade um die Nordspitze von AErø gewendet , als auch wir dort ankommen. Und siehe da, wer liefert sich ein enges Rennen um Platz drei oder vier? Natürlich die VIM US 15, nun mit Regattabesatzung in roten Dress.

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Wir verlassen unseren Beobachtungsposten und bleiben auf Kurs zur Insel Lyø By, die wir nach zweieinhalb Stunden und 16 Sm erreichen. Im engen Hafen manövrieren wir die 12 Meter lange und 7 to schwere Moana Blue in eine enge Box. Die Nachbarn stehen schon bereit, um unsere Festmacher aufzufangen. Nach erfolgreichem Anleger gibt es den üblichen Campari Orange zur Belohnung für gelungene Manöver.

Mitten auf der nur ca. 6 qkm großen Insel liegt der Ort Lyø. Bewirtschaftet wird sie seit einem halben Jahrhundert von 24 Familien. Mehre Teiche bilden Ruhe- und Blickpunkte auf dahinter liegende schmucke Fachwerkhäuser. Der Ort gilt als eines der schönsten Dörfer Dänemarks und ist nicht nur bei deutschen Seglern besonders beliebt. Auch die Kirche und seinem Friedhof mit Grabssteinen, die ins 18. Jahrhindert zurück reichen, ist sehenswert. Obwohl heute die Landwirtschaft dominiert, erinnert ein über Kirchenbänken aufgehängtes Modellschiffchen an die Fischertradition der Insel.

Die Insel Lyø By hat eine ganz besondere Geschichte, die, so wird gesagt,  beinahe den Untergang Dänemarks bedeutet hätte: Einst dicht bewaldet war sie im 13. Jahrhundert ein bevorzugtes Jagdrevier des dänischen Königs Valdemar. Es gibt nun verschiedene Versionen, wie es weiter ging. Wir hörten diese: Zu seinem Jagdausflügen lud er gerne andere illustre Gäste ein, so auch im Jahr 1223 den Grafen Heinrich von Schwerin und seine Gattin. Der Graf soll nun ein Techtelmechtel von König Valdemar mit seiner Gemahlin vermutet haben. In der Nacht ließ er daher alle dänischen Botte zerstören, überfiel den König und nahm in fest. Die betrunkenen Gefolgsleute des Königs bemerkten weder die Zerstörung der Boote noch die Festnahme ihres Herrn. Erst nach drei Jahren und zähen Verhandlungen entließt der Graf König Valdemar aus der Gefangenschaft, nachdem dieser Ländereien in Norddeutschland abgetreten hatte. Eine zunächst geforderte horrende Lösegeldforderung hätte den dänischen Staatssäckel gesprengt und zur Staatspleite geführt.

Wir verlassen Lyø By mit Kurs auf die Deutsche Ostseeküste. Wir wollen in die Schlei, um das Boot in Kappeln für einige Tage dort zu lassen, bevor der Eigner mit neuer Mannschaft nochmal Kurs auf die dänische Südsee nimmt. An der Nordspitze non AErø treffen wir auf viele Regattateilnehmer, die auch die Heimreise in die deutschen Ostseehäfen angetreten haben. Und wieder zieht auch die VIM US-15 hinter uns auf. Im AIS kommt sie mit 10 kn deutlich schneller voran als wir, sodass wir eine knappe Stunde später fast gleichauf mit 100 m Abstand nebeneinander herlaufen.

Von Western her zieht eine dunkleGewitterfront auf. Die VIM dreht nach Nord-Ost ab. Wir entscheiden uns für ein zweites Reff und können der Front gerade so eben auch noch ausweichen, sodass wir nur noch Randausläufer mit bekommen. In der Schleimündung ist aber inzwischen eine zweite dunkle Gewitterfront aufgezogen, die uns mit Starkregen voll erwischt. Der Windmesser zeigt Maximalwerte von 27 kn an. Für das eigentlich notwendige dritte Reff hat die Zeit nicht gereicht. Auch die automatische Steuerung ist mit den entstandenen Kräften überfordert und dreht in den Wind. Mit Handsteuerung kommen wir aber ganz gut durch das Unwetter. Auf der Rückseite der Gewitterfront erwartet uns herrlichstes Sonnenwetter, sodass wir die Segel schnell wieder trocken bekommen. Am Ziel im Gasthafen von Kappeln herrscht eine nicht vorhersehbare starke Strömung, was uns noch einmal fordert aber um 18 Uhr liegen wir fest und stoßen an mit dem obligatorischen Campari Orange auf herrliche Segeltage in der Dänischen Südsee, die keine Wünsche offen ließen: großartige Blicke, schöne Landschaften, nette Orte, leckere Speisen und vor Allem allerbestes Segelwetter mit interessanten Routen fast immer hart am Wind, ganz selten unter Maschine und am Ende dann auch noch etwas herausfordernde Wetterlagen.

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Chile, Los Lagos und Chiloe

Im Süden Chiles liegt ein Seengebiet (Los Lagos), das bei gutem Wetter zum Segeln einlädt. Umso erstaunlicher ist es, dass es nur sehr wenige Marinas gibt. Eine davon liegt am Lago Llanquihue am südlichen Ortsrand von Frutillar. Es gibt aber auch dort nur wenige Boote und auf dem traumhaften See am Fuß des Vulkans Osorno ist nur selten ein Segler unterwegs. Das mag an dem sehr kalten Wasser liegen aber es scheint, dass Segeln in Chile eher noch ein Außnahmesport für besondere Enthusiasten. Die Region Los Lagos war das Zielgebiet vieler deutscher Aussiedler, was bis heute daran zu erkennen ist, dass man überall Kuchenstände und viele deutsche Strassenamen findet.

Etwas weiter im Süden erreicht man nach 30 Minuten Fährfahrt die Insel Chiloe mit ihrem ganz besonderen Klima. Große Pinguinkolonien leben im Norden. Austern- und Muschelzucht und Meeresfische bieten fangfrische Ware für den chilenischen Markt aber auch für den Teller in der heimischen Küche. 20 Tonnen Muscheln pflücken 5 Fischer an einem Tag von den Netzen der Muschelzucht und bringen sie auf Flößen an Land. Von dort werden sie mit Lastwagen auf die Lokalen und Regionalen Märkte weiter transportiert.

Artesanale Werften sind oft wochenlang ohne jede Aktivität. Wenn dann wieder genug Geld für den Weiterbau vorhanden ist, entstehen mit einfachsten Mitteln die seefesten rustikalen Fischerboote. Oft reicht ein einfache, kaum im Gewirr der herum liegenden Holzhaufen, zu erkennende Röhre für das Dämpfen der Planken.

Wer die Chance hat, Chile zu besuchen, sollte sich die Region Los Lagos und die Insel Chiloe nicht entgehen lassen. Über online Portale sind einfach und verlässlich einmalig gelegene einfache Unterkünfte zu buchen.