Chile, Los Lagos und Chiloe

Im Süden Chiles liegt ein Seengebiet (Los Lagos), das bei gutem Wetter zum Segeln einlädt. Umso erstaunlicher ist es, dass es nur sehr wenige Marinas gibt. Eine davon liegt am Lago Llanquihue am südlichen Ortsrand von Frutillar. Es gibt aber auch dort nur wenige Boote und auf dem traumhaften See am Fuß des Vulkans Osorno ist nur selten ein Segler unterwegs. Das mag an dem sehr kalten Wasser liegen aber es scheint, dass Segeln in Chile eher noch ein Außnahmesport für besondere Enthusiasten. Die Region Los Lagos war das Zielgebiet vieler deutscher Aussiedler, was bis heute daran zu erkennen ist, dass man überall Kuchenstände und viele deutsche Strassenamen findet.

Etwas weiter im Süden erreicht man nach 30 Minuten Fährfahrt die Insel Chiloe mit ihrem ganz besonderen Klima. Große Pinguinkolonien leben im Norden. Austern- und Muschelzucht und Meeresfische bieten fangfrische Ware für den chilenischen Markt aber auch für den Teller in der heimischen Küche. 20 Tonnen Muscheln pflücken 5 Fischer an einem Tag von den Netzen der Muschelzucht und bringen sie auf Flößen an Land. Von dort werden sie mit Lastwagen auf die Lokalen und Regionalen Märkte weiter transportiert.

Artesanale Werften sind oft wochenlang ohne jede Aktivität. Wenn dann wieder genug Geld für den Weiterbau vorhanden ist, entstehen mit einfachsten Mitteln die seefesten rustikalen Fischerboote. Oft reicht ein einfache, kaum im Gewirr der herum liegenden Holzhaufen, zu erkennende Röhre für das Dämpfen der Planken.

Wer die Chance hat, Chile zu besuchen, sollte sich die Region Los Lagos und die Insel Chiloe nicht entgehen lassen. Über online Portale sind einfach und verlässlich einmalig gelegene einfache Unterkünfte zu buchen.

 

 

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Grosser Spass im 2.4er

Wo ist der Skipper…..fragt ihr euch? Die 2.4er wurden ursprünglich mal für Menschen mit Behinderung entwickelt. Klein, sehr gut beherrschbar, mit sehr guten Segeleigenschaften und im handling alles sehr übersichtlich und einfach. Im Club haben wir zwei solche Boote.

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In den letzten Oktobertagen hatte ich die Gelegenheit, einmal das Boot auszuprobieren und ….es macht großen Spass. Fusssteuerung wie im Klepper Paddelboot und alles andere direkt vor der Nase gut erreichbar. Wer die Chance hat, das mal zu probieren, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Nur muss man erstmal rein und dann auch wieder raus kommen ;-).

 

 

Besitzerwechsel und neues Zuhause bei Oblomow

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Oblomow ist im September auf seine vorerst letzte Reise von Frankfurt mit Station in Bremen zu seinem neuen Besitzer in die Nähe nach Flensburg gegangen. Dort kommt es in die Hände eines jungen Werftmitarbeiters, der bessere Möglichkeiten als ich hat, das Boot in absehbaren Zeiträumen wieder in die Weiten der Ostsee zu bringen. Wie man sieht, sind die ersten Schritte zur Schaffung guter Arbeitsbedingungen am neuen Standort auch schon getan.

 

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Projekt nach 3 Jahren Bauzeit abzugeben aber nun bin ich sehr froh, dass es in gute und kundige Hände kommt.

Vielleicht interessiert sich der Eine oder die Andere auch über meinen Austausch zu den zahlreichen ‚Problemzonen‘ des Folkeboots im Forum des Freundeskreises Klassischer Yachten (s.a. fky.org ) zu Restaurierung. Ich hänge daher hier ein link zu dem Word Dokument an, welches den Austausch enthält. Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte habe ich die Namen der Diskutanten – außer meinem – entfernt. Wer sich dafür interessiert, findet eine Fülle von interessanten Hinweisen und Tipps, wie überhaupt das Forum eine Quelle großartiger Information ist.

Folkeboot Oblomov FCY Austausch

Und schließlich noch eine Korrektur in eigener Sache: Bei Einrichtung dieser webseite ist mir leider ein Schreibfehler passiert: Der russische Baron und General Oblomow wird am Ende mit w und nicht v geschrieben. Eine Änderung im Verlauf der Beiträge und Diskussionen war schwierig und so geht es munter durcheinander – das bitte ich zu entschuldigen.

Und noch eins: diese Seite werde ich weiter unter dem Titel mit Bezug auf Folkeboote betreiben. In der nächsten Zeit wird es allerdings vermehrt Beiträge zu meiner Arbeit mit meinen Zweitschiff, der Waarship 570 Blue X geben. Dass ich den Titel dennoch beibehalte zeigt auch, dass es längerfristig dann doch wieder eine Folkeboot sein soll.

 

Blue X im Winterlager

Nach einigen schönen sommerlichen Segeltagen auf dem Greifswalder Bodden ist die Blue X, das Waarship 507 nun auch nach Mitteldeutschland umgezogen und steht vereint mit dem Folke Oblomow im Frankfurter Yacht Club. Ein letzter Blick auf die Kreidefelsen bei Sassnitz und auf den „Rasenden Roland“ in Putbus.

In Frankfurt soll das Boot im Winter frischen Lack und Farbe bekommen und insgesamt etwas überholt werden.  Der September war zu verregnet, um das Boot noch einmal für den Herbst ins Wasser zu geben, aber wenn der Oktober wieder Erwarten noch schön wird, geht die Blue X auch mal ins Wasser, auch wenn der Main nun wirklich kein Revier für das Boot ist.

Ein letzter Schlag um Vilm (Honnekers Sommersitz), dann aufladen, sichern und nach anderthalb Tagen stelle ich sie im Club am Main wieder ab.

Nach Schweden mit der Moana Blue

Nach Schweden mit der Moana Blue

Ein Freund lädt mich im angehenden Sommer 2014 ein die Jungfernfahrt auf seinem sehr schönen 12 m Selbstbau nach einem Van de Stadt Riss von Travemünde bis kurz vor Stockholm  zu begleiten. Das wiederholen wir dann in 2015 gleich noch einmal bis hinauf in die schwedischen Scherengärten.

Magnet Schweden

Es ist zur Regel geworden: auch 2015, 2016 und 2017 gehe ich mit der wunderschönen Moana Blue und ihrem Eigner nach Schweden.

2015 geht es wie im 2014 von Travemünde nach Süddänemark, vorbei am großen Windpark an der Südküste DSC_4132

mit kurzem Stopp in Gedser über Karlskrona durch den Kalmar Sund hinauf über Oskarshamn, Västervik in den Öxlesund bis nach Nynäshamn. Auf dem Weg treffen wir uns zu einem Abendessen in Sandvik  und gehen dann bei klarem Sternenhimmel durch die Nacht nach Norden.

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2016 begleite ich den Eigner der Moana Blue nur noch auf dem letzten Teilstück von Stettin zurück nach Travemünde, nachdem das Schiff mit wechselnden Crews die Ostsee einmal komplett umrundet hatte. Mit dabei ist auch Bootsbauer Manfred, der in der Endphase  des Selbstbaus durch den Eigner tatkräftig mit Hand anlegte und viele Detaillösungen beisteuerte. Wir machen in Sassnitz (Rügen) fest, laufen als eines der letzten Schiffe den Nothafen Darsser Ort bei Prerow an, bevor er geschlossen und renaturiert wird. Weitere Stationen sind Kühlungsborn und Timmendorf (auf Poel). Am nächsten Tag auf der Höhe des Ostseebads Boltenhagen erreicht uns ein Notruf von Rescue Bremen mit der Bitte, nach einem Havaristen mit Wassereinbruch Ausschau zu halten und im Bedarfsfall Hilfe zu leisten. Als wir das kleine Motorboot mit zwei Anglern erreichen läuft auch schon der in Timmendorf stationierte Seenotkreuzer hinter uns auf.  Inzwischen konnten die Angler den Wassereinbruch mit Bordmitteln stoppen und mit eigener Kraft zurück laufen. Wir drehen ab und erreichen am späten Nachmittag Travemünde, wo die Moana Blue überwintern wird. DSC_7822

2017 begleite ich die Moana Blue von Travemünde nach Göteborg. Wir gehen an Gedser vorbei und ankern vor Falster. Uns fallen Tigermücken auf, die es zu unserer Verblüffung schon so weit in den Norden geschafft haben. Auch das ein klares Zeichen für denn unbestreitbaren Klimawandel. Am nächsten Tag geht es nach Klintholm mit einem Ausflug auf dem Klapprad zum Kreidefelsen. Dann weiter nach Rodvig, wo wir längsseits im gut ausgestatteten Hafen für die Nacht festmachen. Weiten dann nach    Kopenhagen mit ausführlichen Stadtbesichtigungen und Besuchen in beeindruckenden Museen, uA dem sehenswerten Designmuseum und Jens Ohlsen’s Astronomischen Weltuhr im Rathaus sowie Ai Weiwei’s Beitrag zum Flüchtlingsthema im Fenster des Kunstmuseums, bestehend aus alten Rettungswesten.

 

Nach zwei Nächten im schönen Stadthafen einige Schritte von der der von Asiaten umlagerten und millionenfach fotografierten kleinen Mehrjungfrau, segeln wir bei gutem Wind durch die vielbefahrene Meerenge bei Helsingborg  bis hinauf Richtung Varberg mit Station in Torekov.  Bei stetig zunehmendem Wind erreichen wir am nächsten Tag Varberg. Hier angekommen, macht und der Wind mit Böen bis zu 38,8 kn  einen Strich durch den ursprünglichen Plan, in den Göteborger Schären einige Tage zu verbringen. Drei Tage sitzen wir mit vielen anderen Schiffen, u.A. auch einem englischen Traditionssegler und Dreimaster im Varberger Hafen fest.

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Am Wochenende ist das Schwedische Mitsommerfest mit einem Wettschwimmen um 3 Bojen im Aussenhafen von Varberg. Der starke Wind macht den Wettbewerb dieses Jahr besonders herausfordernd.

Auf mildere Winde wartend, nutzen wir die Zeit und besuchen die erste transatlantische Radiostation mit ihren beeindruckenden Generatoren und Sendeeinrichtungen in Grimeton. 2004 wurde die Station in die Liste der UNESCO Welterben aufgenommen, da von hier aus ab 1924 erstmalig Radio-Telegramme nach den USA versandt werden konnten. Sie waren nicht mehr durch die leicht zerstörbaren Land- und Seekabel gefährdet und stellten einen wichtigen Kommunikationskanal für die schwedischen Emigranten nach Amerika dar. Die Station wird durch eine Gruppe von Funkamateuren in Betrieb gehalten und einmal im Jahr werden die Generatoren und Sender angeworfen um einen Neujahrsbotschaft in alle Welt zu senden.  Ein kleines Besucherzentrum bietet Informationen und eine mehrsprachige Führung an.

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Bei Flaute oder Starkwind eine schöne Alternative mit dem Bus gut von Varberg zu erreichen.  Nach drei langen Tagen des Warten legen wir bei noch immer starkem Wind und gefühlt 3-4 m Welle ab und erreichen am Abend den Stadthafen von Göteborg.

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Oblomow on the move

Oblomow ist heute in den Frankfurter Yacht Club an den Main umgezogen. Auf der Speckwerft gegenüber der Altstadt von Höchst war es landschaftlich zwar auch sehr schön. Aber umgeben von zu viel Plastikschiffen aller Größen war es uns dann doch langsam ungemütlich geworden. Im Frankfurter Yacht Club treffen wir auf mehr Gleichgesinnte, vor allem aber das schöne Umfeld eines Segelclubs. Hier kann man mit den Alten fachsimpeln und den Jungen bei Segeltraining zuschauen. Und während Oblomow immer noch darauf wartet, wieder ins Wasser zu kommen, kann ich mir auch mal ein Clubboot ausleihen. Hier liegt das Folkeboot nun wieder auf einer Wiese und harrt der weiteren Reparaturen.Bei der Inventur im Frühjahr haben sich leider weitere Baustellen aufgetan. Beidseitig müssen am Heck noch ein bis zwei Planken getauscht werden. Da beginnt dann wieder die Suche nach brauchbarem Lärchenholz.

Oblomow alias Letima

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Es kommt etwas mehr Licht in die bislang dunkle Vorgeschichte von Oblomow und nun kann ich wenigstens die letzten 15 Jahre zurückverfolgen: Von 2001 bis 2009 war es vor Fehmarn im Wassersportzentrum Großenbrode an der Ostsee unter dem Namen Letima beheimatet. Der Vorbesitzer hatte es im Travehafen bei Lübeck erworben und dann in Hamburg auf die Peute gebracht, um es dort wieder segelklar zu machen. Wie er berichtete, waren dazu erhebliche Arbeiten zu erledigen, bevor Letima und die stolze Besitzerfamilie trocken und sicher auf die Ostsee hinaus segeln konnte.

 

Er schreibt: „Als ich das Boot übernahm, war innen und außen alles ziemlich hinüber. Als erstes haben wir vom Unterwasserschiff die Farbe runter genommen, dann die Planken neu verleimt (West System ) und mit Niro Schrauben wieder angezogen. Den Epoxy Leim haben wir von innen in die Fugen mittels Spritze gedrückt…dann die Pantrie, das Eimer Klo, die Polster, das Vorschiff und und und…

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Nach dem ersten Törn und ersten Sturm, in dem das Boot halb voll Wasser war, schaute ich es mir im Winter noch einmal ganz genau an. Die Masthalterung marode das Kielschweise teilweise weich, die Kielbolzen waren bis auf 3mm verrostet.

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Also Klappmastvorichtung gebaut und den Stumpf fest mit dem Kiel verbunden, Kielbolzen aus Niro eingesetzt …Kielschwein aufgebohrt – das ging sehr schwer…Eiche pur – und mit Epoxi ausgegossen. Danach erst mal wieder gesegelt. Es kam immer noch Wasser ins Schiff so das ich 2 Aw 100 Sperrholzplatten unten mit Pantera gegen klebte und verschraubte. Danach war Letima sehr stabil und lief super. Ein Jahr später war das Ruder defekt, das habe ich dann auch so stabilisiert.“

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Soweit der Eigener von Letima im Originalton (etwas redaktionell überarbeitet). Zur Frage des Vorbesitzer aus der Zeit vor 2001, einem Architekten oder Ingenieur aus Lübeck, konnte er leider nicht weiterhelfen. Er hat ihn wohl persönlich nicht kennen gelernt. Da das Boot an Land im Travehafen stand, kann man annehmen, dass es eine Zeitlang dort in der Marina beheimatet war.

2009 kam es dann in den Besitz einer neuen Eignerin und bekam den Namen Oblomow. Aus den 5 Jahren, bis ich es dann 2013 von der Wiese in Lüchow Danneberg herunter holte und nach Frankfurt brachte,  ist wenig bekannt.

Vielleicht kennt ja jemand das Boot unter dem Namen Letima oder hat es in der Marina im Travehafen gesehen und kann helfen, die Geschichte weiter zu schreiben. Der sehr andere Vorbau der Kajütwand bis zur Klappluke im Vorschiff, die Plazierung der Winchen auf dem Kajütdach, auch der Festmacher aus Holz auf dem Vorschiff und der Klappmast machen dieses Folkeboot ja doch deutlich unterscheidbar von der Mehrheit anderer Boote. Das mag jemanden aufgefallen sein. Vielleicht kennt auch jemand andere Folkeboote, die vergleichbare Merkmale haben, sodass auf den Ursprung zurück geschlossen werden kann.  Für jeder Hinweis bedanke ich mich schon hier.  Und ja, bis es wieder so schön im Wasser schwimmen wird, ist noch immer viel zu tun.

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